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Gesunde Luft an Schulen – Umweltbundesamt empfiehlt neue Maßnahmen

Das neue Schuljahr steht in den Startlöchern. Sich schnell ausbreitende Corona-Mutationen treffen dann auf viele Menschen auf engem Raum im Präsenzunterricht. Das Umweltbundesamt empfiehlt in seinem neuesten Statement vom 9. Juli 2021 verschiedene Schutzmaßnahmen, mit denen indirekte Infektionen an Schulen und öffentlichen Gebäuden durch die Ausbreitung von Viren über die Raumluft verhindert werden­.

Welche Maßnahmen zum Infektionsschutz sind an diesen Orten am wirksamsten? Was lässt sich kurzfristig umsetzen und wo sind tiefergehende Eingriffe in die Gebäudetechnik notwendig? Wie kann die einwandfreie Funktion von raumlufttechnischen (RLT) Anlagen gewährleistet werden?

Infektionsschutz durch raumlufttechnische Anlagen

Raumlufttechnische Anlagen sind laut aktueller Stellungnahme aus Sicht des Umweltbundesamts das langfristig nachhaltigste Instrument, um infektiöse Aerosolpartikel technisch zu reduzieren. "RLT-Anlagen sind eine ideale Ergänzung zur Nutzung von Masken", erklärt dazu Dirk Peltzer, Fachleiter Raumlufttechnik des Münsteraner Hygieneinstituts HYBETA. Aus fachlicher Sicht begrüßt er die aktuelle Empfehlung des Umweltbundesamts, möglichst alle Schulräume mit raumlufttechnischen Anlagen auszustatten und dabei keine Zeit zu verlieren. "Die Corona-Pandemie hat das Thema Raumlufttechnik / Raumluftqualität in den Vordergrund gebracht. Die Anforderungen an RLT-Anlagen sind klar in den entsprechenden Richtlinien definiert." 

Nicht nur aus gesundheitlicher Sicht, sondern auch aus energetischer Perspektive zahlt sich die Nutzung von zentralen Lüftungsanlagen aus. Das Umweltbundesamt bestätigt in seiner neuesten Stellungnahme, dass diese Anlagen nicht nur die Virenlast in Räumen verringern, sondern über Wärmerückgewinnung die Heizung entlasten und letztlich den Wohlfühlfaktor in Gebäuden erhöhen. Der stationäre Einbau zentral gesteuerter RLT-Anlagen sollte fachmännisch geplant werden, um baulich und technisch auf der sicheren Seite zu sein. Die baulichen Anforderungen an dezentrale Einzelraumbelüftungen sind dabei in der Regel weniger hoch. Beide Konzepte eint wiederum, dass der Aufwand während des laufenden Betriebs überschaubar ist, sofern die entscheidenden Komponenten einer Anlage für eine optimale Lüftung abgestimmt sind und regelmäßige Wartung und Reinigung für ihre Instandhaltung berücksichtigt werden.

drei Kategorien für Lüftungsmöglichkeiten in Schulräumen

Bei seiner innenraumhygienischen Bewertung der Schulräume nutzt das Umweltbundesamt drei Kategorien. Gute Lüftungsmöglichkeiten sind in Kategorie 1 vorhanden. Hier sind bereits RLT-Anlagen verbaut oder regelmäßiges Stoßlüften ist möglich und wird auch umgesetzt. Kategorie 2 umfasst Räume, in der die Lüftungsmöglichkeiten beschränkt sind. Hier sind keine RLT-Anlagen vorhanden. Auch über die Fenster kann keine freie Lüftung erfolgen, weil sie sich etwa nicht weit genug öffnen lassen. Hier plädiert das Umweltbundesamt für den Einsatz technischer Maßnahmen zur Luftverbesserung. Raumlufttechnische Anlagen sind auch hier der Königsweg. Alternativ sollten mobile Luftreiniger als Lüftungsanlagen eingesetzt werden. Im Gegensatz zu festen RLT-Anlagen reinigen die mobilen Lösungen nicht die angesaugte Außenluft, sondern arbeiten mit der schon im Gebäude vorhandenen Luft. Als Teil des Maßnahmenpakets gegen COVID-19 sind sie eine sinnvolle Ergänzung, um die Luftqualität in Schulgebäuden wirksam zu erhöhen. Wichtig dabei: Mobile Luftreinigungsgeräte ersetzen nicht das manuelle Lüften. Sie bringen in Räumen der Kategorie 3, in denen keine Lüftung stattfinden kann, keinen Mehrwert. Aus innenraumhygienischer Sicht sollte in Kategorie 3 kein Schulunterricht stattfinden. Konzentriertes Arbeiten ist in diesem Raumklima nicht möglich.

Prüfungen raumlufttechnischer Anlagen notwendig

"Angesichts der steigenden Inzidenzzahlen sollten in Gebäuden wie Schulen, Kitas und Unternehmen so schnell wie möglich weitere wirksame innenraumhygienische Maßnahmen ergriffen werden", empfiehlt Dirk Peltzer. "Neben den bekannten AHA-Hygieneregeln sind dies vor allem virenreduzierende Lüftungsanlagen. Raumlufttechnische Geräte können zudem das regelmäßige Lüften unterstützen. Beim Einsatz von RLT-Anlagen ist eine manuelle Lüftung gar nicht mehr notwendig, wenn sie hygienisch einwandfrei arbeitet."

Darüber hinaus empfiehlt er die regelmäßige Prüfung der raumlufttechnischen Anlagen von Fachleuten gemäß den aktuellen Richtlinien wie der VDI 6022. "Nur so kann sichergestellt werden, dass die Lüftungstechnik auf die Situation in den Gebäuden ausgerichtet ist und RLT Anlagen entsprechend effizient arbeiten können. Ist dies gewährleistet steht aus raumlufttechnischer Sicht einem Corona-gerechten Schul-Betrieb im neuen Schuljahr nichts entgegen."