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​​​​​​​Festlegung von Raumklassen im OP

Für den OP-Bereich ist, entsprechend der DIN 1946‑4:2018-09, eine mechanische Be- und Entlüftung vorgesehen. Sie unterscheidet aus raumlufttechnischer Sicht in die Raumklasse I und in die Raumklasse II.

Weiterhin wird die Raumklasse I in die Raumklasse Ib (Turbulente Verdünnungsströmung (TVS)) und Raumklasse Ia unterteilt. Die Raumklasse Ia weist einen Schutzbereich auf, der üblicherweise durch eine turbulenzarme Verdrängungsströmung (TAV) erzeugt wird. Mittlerweile gibt es alternative Lüftungssysteme, die ebenfalls einen Schutzbereich erzeugen.

Die KRINKO-Empfehlung zur „Prävention postoperativer Wundinfektionen“ (2018) stellt fest, dass sich zwar aus der Nutzung von TAV-Feldern kein eigener infektionspräventiver Effekt ergibt. Allerdings räumt sie ein, dass sich für die Versorgung mit partikel- und keimarmer Luft aktuell die Technik der TAV anbietet. Aufgrund der hohen Luftmenge erfolgt hier eine schnellere Verdrängung und stärkere Verdünnung von Partikeln und Kontaminationen.

Sowohl normativ wie auch entsprechend der oben genannten KRINKO-Empfehlung soll die Festlegung der Raumklassen für die OP-Räume durch den Krankenhaushygieniker unter Berücksichtigung der Infektionsstatistik des Hauses und Beteiligung des chirurgischen Fachvertreters erfolgen. Zusätzlich ist nach DIN 1946-4:2018-09 ein unabhängiger Hygiene-Ingenieur zu beteiligen.

 

Weitere Hinweise und Überlegungen zur Festlegung von Raumklassen ergeben sich aus der DGKH-Leitlinie „Krankenhaushygienische Leitlinie für die Planung, Ausführung und den Betrieb von Raumlufttechnischen Anlagen in Räumen des Gesundheitswesens“ (2015). Hierin werden weitere Aspekte genannt, die bei der Entscheidung hilfreich sind, wie z.B.

  • Anforderungen an die Erregerarmut aufgrund der demografischen Entwicklung
  • Zunehmende Zahl an immunsupprimierten Patienten
  • Zunahme risikobehafteter Eingriffe

 

Die aktuelle Veröffentlichung der DGKH „Luftqualität im OP-Saal: Wundinfektionen, RLT-Anlagen und Disziplin“ (2018) ergänzt diese Punkte um folgende Aspekte:

  • des Arbeitsschutzes in Bezug auf kanzerogenen chirurgischen Rauch
  • die höheren Keimzahlen von Instrumenten außerhalb des Schutzbereiches einer TAV-Decke bzw. in einem OP der Raumklasse Ib (siehe Veröffentlichung aus der Hygiene und Medizin „Einfluss von unterschiedlichen Lüftungssystemen auf die mikrobiologische Instrumentenreinheit“)
  • die steigende Forderung von Landesbehörden nach der Reinheitsklasse A (entsprechend EG Leitfaden der Guten Herstellungspraxis (GMP)); dieser könnte im OP-Raum durch die Raumklasse Ia realisiert werden) in Zusammenhang mit der Entnahme und Verarbeitung von Geweben (entsprechend Transplantationsgesetz und Definition als Arzneimittel)

 

Daher empfiehlt die HYBETA bei der Neuplanung von Operationsabteilungen einen Teil der Operationsräume als Raumklasse Ia auszuführen. Die Anzahl der benötigten Operationsräume je Raumklasse richtet sich nach dem Operationsspektrum und ist einrichtungsspezifisch festzulegen.

Bei der Zuordnung der operativen Eingriffe in die Raumklasse Ia spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  • Einbau von Fremdmaterial in schlecht durchbluteten Körperregionen (z.B. Endoprothetik)
  • Organtransplantation (z.B. Herztransplantation)
  • Gewebeentnahmen im Rahmen des Transplantationsgesetzes (GMP)
  • Großes Operationsfeld (z.B. große Thorax-Operationen)
  • Lange Operationszeiten (z.B. große Wirbelsäulenchirurgie)
  • Zeitraum des offen liegenden Instrumentariums auf den Instrumententischen

 

Für alle anderen Operationen, die nicht unter die obengenannten Kriterien fallen, ist aus der Sicht von HYBETA die Raumklasse Ib ausreichend. In Operationsräumen mit geringem Infektionsrisiko lässt die aktuelle KRINKO Empfehlung zu Prävention postoperativer Wundinfektionen von 2018 eine Fensterlüftung zu, wenn die Risikobewertung zu diesem Ergebnis kommt. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass eine raumlufttechnische Anlage z.B. auch zur Einhaltung von Arbeitsschutzvorgaben (z.B. Narkosegasabsaugung, Entfernung chirurgischer Rauchgase) notwendig sein kann.

 

Auf der Basis dieser Faktoren erarbeitet HYBETA zurzeit einen entsprechenden Operationskatalog. Dieser wird hier voraussichtlich im Januar verfügbar sein.